AR-Hologramme sollen Eltern von herzkranken Kindern Ängste nehmen

von | Jan. 21, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein interdisziplinäres Team aus Kardiologie, Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie an den Universitätskliniken Heidelberg und Münster startet das Projekt „HoloHeart“. Mit Augmented Reality soll ein originalgetreues Herzhologramm entwickelt werden, um Eltern und Kindern angeborene Herzfehler anschaulich zu erklären und Ängste vor Operationen zu reduzieren. Das Vorhaben wird von der Deutschen Herzstiftung mit rund 79.000 Euro gefördert.

Augmented Reality projiziert dreidimensionale Organe als Hologramm in den Raum, sichtbar durch eine spezielle AR-Brille. Das Forscherteam nutzt diese Technologie, um angeborene Herzfehler von Kindern greifbar zu machen. In Deutschland kommen jährlich 8700 Kinder mit einem solchen Defekt zur Welt, mehr als 95 Prozent erreichen das Erwachsenenalter. Das Projekt soll die patientenzentrierte Medizin voranbringen, indem komplexe Herzfehler und Behandlungen verständlich und planbar werden.

Die Vorarbeiten begannen 2020 mit Hologrammen realer Herzen für die Lehre von Medizinstudenten. Die AR-Modelle entstehen aus Daten von Magnetresonanz- und Computertomografien sowie elektrophysiologischen Untersuchungen. Sie vermitteln komplexe Zusammenhänge besser als herkömmliche Methoden. Parallel wurden virtuelle 3D-Modelle auf Geräten oder als physische Hartplastiken in der Klinik eingesetzt, etwa zur Elternaufklärung und Operationsplanung bei komplizierten Defekten.

Ein häufiger Herzfehler ist der Ventrikelseptumdefekt, ein Loch in der Kammerscheidewand, das zu Überlastung führen kann. Das AR-Hologramm bildet das Herz des Kindes originalgetreu nach und erklärt den Defekt sowie die Operation. Dies nimmt Eltern Ängste. Auch für kindgerechte Erklärungen eignet sich die Technologie: In Zusammenarbeit mit einer Grundschullehrerin werden Inhalte didaktisch aufbereitet. Kinder können ihr Herz anfassen, drehen, vergrößern oder sogar hineingehen.

Ein Kind und eine Wissenschaftlerin des HoloHeart-Projekt-Teams im Uniklinikum Heidelberg beim Testen der HoloHeart-Software am Modell eines Kinderherzens. | Copyright: InspirationLabs
Ein Kind und eine Wissenschaftlerin des HoloHeart-Projekt-Teams im Uniklinikum Heidelberg beim Testen der HoloHeart-Software am Modell eines Kinderherzens. | Copyright: InspirationLabs

Bei komplexen Defekten wie Ein-Kammer-Herzen oder Double Outlet Right Ventricle bieten AR-Modelle Vorteile für die Planung komplizierter Eingriffe und erhöhen die Sicherheit. Etwa ein Drittel der Operationen in der Kinderherzchirurgie sind komplex, einschließlich Re-Operationen. In der Kinderkardiologie helfen Hologramme bei Rhythmusstörungen oder Katheterinterventionen, etwa Ablationen, Stent- oder Klappenimplantationen.

Das Projekt optimiert Diagnostik und Therapieentscheidungen bei kardialen Fehlbildungen. Es eröffnet eine neue Dimension in der bildgebenden Diagnostik und trägt zur Angstreduktion bei. Die Herzstiftung sieht darin einen Innovationsschub für die Kinderkardiologie und -herzchirurgie.

Die Technologie könnte die Aufklärung und Planung revolutionieren. Eltern verstehen den Eingriff besser, was den Aufklärungserfolg steigert. Für Chirurgen verbessert sie die Visualisierung anatomischer Details. Langfristig könnte AR standardmäßig in der Kinderkardiologie eingesetzt werden, um Versorgung zu verbessern und Komplikationen zu minimieren. Das interdisziplinäre Team aus Heidelberg und Münster kombiniert Expertise in Elektrophysiologie, Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie. Die Förderung ermöglicht die systematische Erprobung in der Praxis.

Weiterführende Informationen:

veldt.ar – Pediatric HoloHeart auf Vimeo


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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