Referenzdaten für neue Blutdiagnosen erstellt

von | Jan. 19, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eine internationale Forschungsarbeit zur medizinischen Bedeutung extrazellulärer Vesikel im Blut hat von der Universität Ljubljana eine Auszeichnung als eine der herausragenden Forschungsleistungen des Jahres 2025 erhalten. An der Studie waren Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen am Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Essen entscheidend beteiligt. Extrazelluläre Vesikel sind winzige Partikel, die Zellen abgeben und in Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten vorkommen. Sie tragen Informationen über ihren Ursprung und gelten als Grundlage für neue, nicht-invasive Diagnosemethoden, etwa bei Krebs oder neurologischen Krankheiten. Bislang mangelte es an zuverlässigen Vergleichsdaten aus gesunden Erwachsenen.

In der ausgezeichneten Studie wurden Blutproben von 200 gesunden erwachsenen Blutspendern systematisch und quantitativ analysiert. Die Forschenden ermittelten, aus welchen Zelltypen die Vesikel stammen und wie stark ihre Konzentrationen zwischen Personen schwanken. Zudem untersuchten sie den Einfluss von Faktoren wie Geschlecht, Alter, menopausaler Status oder Rauchen auf bestimmte Vesikelgruppen. Ein großer Teil der experimentellen Arbeit fand in Essen statt. Die Proben stammten aus Ljubljana und wurden teilweise an das Institut für Transfusionsmedizin übermittelt. Dort analysierte ein Wissenschaftler die Proben mit hochauflösender bildgebender Durchflusszytometrie. Dabei kamen 25 speziell validierte Antikörper zum Einsatz, die zuvor für die Untersuchung einzelner Vesikel qualifiziert worden waren. Diese Daten bilden einen zentralen Bestandteil der Studie.

Die Messungen schaffen eine Basis, um extrazelluläre Vesikel im Blut verlässlich zu vergleichen. Ohne diese Charakterisierung wäre eine diagnostische Anwendung kaum machbar. Die umfangreichen Datensätze wurden in Ljubljana mit klinischen Daten der Spender verknüpft und durch weitere Methoden ergänzt. Die Auszeichnung hebt den Wert der engen Kooperation hervor. Gemeinsam haben die Teams Referenzdaten erarbeitet, auf die zukünftige medizinische Studien aufbauen können. Die Arbeit legt ein Fundament für die Nutzung von Vesikeln im Blut als diagnostisches Instrument, insbesondere für die Früherkennung und Verlaufskontrolle von Erkrankungen.

Die Studie erschien im Fachjournal Journal of Extracellular Vesicles und bietet erstmals eine umfassende Referenz für extrazelluläre Vesikel im Blut gesunder Erwachsener. Das ist eine Voraussetzung für ihre Anwendung in der personalisierten Medizin. Die Ergebnisse zeigen die natürliche Variabilität der Vesikelkonzentrationen zwischen Menschen und verdeutlichen, von welchen Blutzellen wie Thrombozyten oder Leukozyten die Vesikel potenziell abstammen. Grafische Darstellungen illustrieren diese Befunde, wobei jeder Punkt eine Messung eines Spenders repräsentiert.

Blick ins Blut | Quelle: Holcar M et al | Copyright: J Extracell Vesicles . 2025 Jan;14(1):e70039. doi: 10.1002/jev2.70039.
Blick ins Blut | Quelle: Holcar M et al | Copyright: J Extracell Vesicles . 2025 Jan;14(1):e70039. doi: 10.1002/jev2.70039.

Die Kooperation zwischen den Instituten in Ljubljana und Essen unterstreicht die internationale Dimension der Forschung. Durch den Austausch von Proben und Expertise konnten die Wissenschaftler eine breite Datenbasis schaffen. Die Analyse mit bildgebender Durchflusszytometrie ermöglichte eine detaillierte Zuordnung der Vesikel zu ihren Ursprungszellen. Faktoren wie das Alter oder das Rauchverhalten beeinflussen bestimmte Vesikelpopulationen, was für zukünftige Diagnosen relevant ist. Die Studie adressiert ein bisheriges Defizit in der Vesikelforschung, indem sie standardisierte Daten aus einer großen Kohorte gesunder Personen liefert.

Zukünftige Anwendungen könnten die Vesikel als Biomarker nutzen, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen, ohne invasive Eingriffe. Die Auszeichnung durch die Universität Ljubljana würdigt nicht nur die wissenschaftliche Qualität, sondern auch den potenziellen Impact auf die Medizin. Die Forscher planen, auf diesen Daten aufzubauen, um Vergleiche mit erkrankten Patienten durchzuführen. Die Methodik mit validierten Antikörpern setzt einen neuen Standard für ähnliche Untersuchungen. Insgesamt stärkt die Studie das Verständnis für die Rolle extrazellulärer Vesikel im menschlichen Körper und öffnet Türen für innovative Therapieansätze. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Teams in Slowenien und Deutschland dient als Modell für grenzüberschreitende Forschung.

Original Paper:

 J Extracell Vesicles . 2025 Jan;14(1):e70039. doi: 10.1002/jev2.70039


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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