Elektronenmikroskopie: Espresso als umweltfreundliche Alternative zu Uranylacetat
Forschende am Institut für Elektronenmikroskopie und Nanoanalytik der Technischen Universität Graz haben gewöhnlichen Espresso als wirksames Kontrastmittel für biologische Proben unter dem Elektronenmikroskop nachgewiesen. Die Aufnahmen erreichen eine vergleichbare oder teilweise bessere Qualität als mit dem hochgiftigen und radioaktiven Standardmittel Uranylacetat.
Uranylacetat wird traditionell eingesetzt, um Gewebestrukturen in ultradünnen Proben schnitten sichtbar zu machen. Aufgrund seiner Toxizität und Radioaktivität ist der Stoff in manchen Laboren aus Sicherheitsgründen verboten. Das Team um Claudia Mayrhofer, Ilse Letofsky-Papst und Robert Zandonella suchte nach einer Alternative.

Die Idee entstand durch Beobachtung eingetrockneter Kaffeeflecken in Tassen. Erste Tests zeigten, dass Kaffee biologische Proben anfärbt und Kontraste verstärkt. In systematischen Vergleichsversuchen behandelten die Forscher ultradünne Schnitte von Mitochondrien unter identischen Bedingungen mit Espresso und Uranylacetat. Eine Bildanalysesoftware bewertete die Mikroskopaufnahmen. Espresso erzielte sehr gute Kontrastwerte, in Teilen sogar höhere als Uranylacetat.
Das Team sieht in Kaffee eine ernstzunehmende, umweltfreundliche Alternative. Für den breiten Einsatz in der biologischen Elektronenmikroskopie sind jedoch weitere Tests an verschiedenen Gewebearten erforderlich.
Original Paper:
Coffee – a ubiquitous substitute for uranyl acetate in staining of biological ultrathin sections for electron microscopy studies
Autor*innen: Claudia Mayrhofer, Robert Zandonella, Willi Salvenmoser, Ilse Letofsky-Papst.
In: Methods (2025)
DOI: 10.1016/j.ymeth.2025.08.009
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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