Uniklinik Leipzig setzt Capsaicin-Pflaster zur Behandlung chronischer Nervenschmerzen ein

von | Jan. 8, 2026 | Forschung, Gesundheit

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erweitert sein Angebot zur Therapie chronischer Schmerzen durch den Einsatz hochkonzentrierter Capsaicin-Pflaster. Der Scharfstoff aus Chilischoten wird gezielt bei schwer behandelbaren Nervenschmerzen angewendet, vor allem in der Schmerzambulanz und in der Schmerztagesklinik.

Rund 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, die länger als 12 Wochen anhalten und unabhängig von der ursprünglichen Ursache zur eigenständigen Erkrankung werden. Häufige Formen sind Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Fibromyalgie und Migräne. Diese beeinträchtigen den Alltag stark und können zu Arbeitsunfähigkeit sowie sozialem Rückzug führen. Bei chronischen Schmerzen versagen oft Maßnahmen, die bei akuten Schmerzen wirken, da der Schmerz selbst zu einer erlernten Reaktion des Organismus wird.

Dr. Stefan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird. | Quelle: privat | Copyright: UKL
Dr. Stefan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird. | Quelle: privat | Copyright: UKL

Das UKL bietet eine ambulante Behandlung in der Schmerzambulanz sowie eine multimodale Therapie in der Schmerztagesklinik an. Diese kombiniert Medikamente, Bewegungstherapie, psychologische Beratung und Verhaltenstherapie, um den Umgang mit dem Schmerz zu verbessern und den Alltag zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Als neue Option wird seit kurzem Capsaicin eingesetzt, der natürliche Wirkstoff aus Chilischoten. In hochkonzentrierter Form reduziert er die Empfindlichkeit der Nervenendigungen gegenüber Schmerzreizen. Das Medikament wird äußerlich als Pflaster an den betroffenen Stellen aufgebracht. Aufgrund der hohen Konzentration erfolgt die Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht und kurzzeitig.

Nach erfolgreichen Pilotversuchen ist das Verfahren nun fester Bestandteil der Schmerztherapie. Es richtet sich vor allem an Patienten mit bleibenden Nervenschmerzen, etwa nach Gürtelrose. Die Behandlung kann ambulant oder im Rahmen der teilstationären multimodalen Therapie in der Tagesklinik erfolgen, die über vier Wochen täglich stattfindet.

Die Schmerztagesklinik behandelt monatlich maximal acht Patienten pro Kurs. Freiwerdende Plätze ermöglichen oft kurzfristige Termine.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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