Nikotinbeutel gefährden konsumierende Kinder durch Nervengift

von | Aug. 29, 2025 | Forschung, Gesundheit

Die Stiftung Kindergesundheit schlägt Alarm: Nikotinbeutel, kleine Päckchen mit hochkonzentriertem Nikotin, gewinnen unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland an Popularität. Trotz ihres illegalen Verkaufs sind sie leicht zugänglich und bergen erhebliche Gesundheitsrisiken, insbesondere durch ihr hohes Suchtpotenzial.

Nikotinbeutel, auch als Pouches bekannt, enthalten Nikotinsalze, Aromen und Trägerstoffe, die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Im Gegensatz zum in der EU verbotenen Snus sind sie tabakfrei, fallen in Deutschland jedoch unter das Lebensmittelrecht und dürfen aufgrund ihres Nikotingehalts nicht verkauft werden. Dennoch sind sie in Kiosken, Online-Shops und im privaten Handel erhältlich.

Eine Studie des Präventionsradars 2022/2023 mit über 12.000 Schülern der Klassen 5 bis 10 zeigt, dass 5,4 Prozent der Befragten mindestens einmal Nikotinbeutel konsumiert haben – 6,3 Prozent der Jungen und 3,5 Prozent der Mädchen. Bei 16- bis 17-Jährigen liegt die Lebenszeitprävalenz bei 15,2 Prozent (Jungen) und 10,3 Prozent (Mädchen). Jugendliche mit niedrigerem sozialen Status und höherer Risikobereitschaft greifen häufiger zu, oft in Kombination mit E-Zigaretten oder Zigaretten.

Symbolbild. Credits: OpenClipart-Vectors/Pixabay
Symbolbild. Credits: OpenClipart-Vectors/Pixabay

Die Beutel sind unauffällig, geruchlos und ähneln optisch Kaugummis oder Lippenbalsam, was ihren Konsum in Schulen erleichtert. Viele Jugendliche halten sie für harmlos, obwohl sie bis zu 50 Milligramm Nikotin pro Beutel enthalten können – weit mehr als eine Zigarette mit 8 bis 12 Milligramm. Schon ein Beutel kann Schwindel, Übelkeit oder Ohnmacht auslösen, während regelmäßiger Konsum die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und eine schnelle Nikotinabhängigkeit verursachen kann. Langfristige Folgen sind unzureichend erforscht, doch Experten warnen vor Schäden an Mund, Rachen und Hals sowie möglichen krebserregenden Inhaltsstoffen.

Viele Produkte enthalten extrem hohe Nikotinmengen – bis zu 50 Milligramm pro Beutel, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet. Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält etwa 8 bis 12 Milligramm Nikotin. „Nikotin ist ein stark wirksames Nervengift“, erklärt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Gerade im Jugendalter kann es die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und das Risiko für eine lebenslange Nikotinabhängigkeit deutlich erhöhen.“

Die Stiftung Kindergesundheit fordert verstärkte Aufklärung und strengere Kontrollen, um den illegalen Verkauf einzudämmen. Eltern wird empfohlen, frühzeitig mit ihren Kindern über Nikotinbeutel zu sprechen, auf Warnsignale wie Übelkeit oder Müdigkeit zu achten und sich über neue Konsumformen zu informieren. Der versteckte Konsum und die gezielte Bewerbung in sozialen Medien machen Nikotinbeutel zu einer neuen Herausforderung für den Gesundheitsschutz.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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