MPI Studie: Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zu schweren Krankheiten

Eine Übersichtsarbeit des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, veröffentlicht im Fachjournal Annals of Behavioral Medicine, offenbart, dass etwa ein Drittel der Menschen Informationen über schwere Krankheiten bewusst meidet, insbesondere wenn sie fürchten, selbst betroffen zu sein. Ein zentraler Grund ist mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem. Die Erkenntnisse unterstreichen die Herausforderungen für Früherkennung und Vorsorge.
Die Analyse basiert auf 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmenden aus 25 Ländern, darunter Deutschland, und untersucht das Phänomen der Informationsvermeidung. Dieses umfasst Verhaltensweisen wie das Hinauszögern von Arztbesuchen, das Vermeiden medizinischer Tests oder das Ignorieren von Aufklärungsmaterialien. Die Ergebnisse zeigen, dass rund 30 Prozent der Befragten medizinische Informationen meiden, insbesondere bei schweren Erkrankungen. Bei unheilbaren Krankheiten wie Alzheimer (41 Prozent) und Huntington (40 Prozent) ist die Vermeidung am höchsten, während sie bei behandelbaren Krankheiten wie HIV (32 Prozent), Krebs (29 Prozent) und Diabetes (24 Prozent) geringer, aber immer noch erheblich ist.

Die Forschenden identifizierten mehrere Gründe für dieses Verhalten. Zu den Hauptfaktoren zählen kognitive Überforderung durch die Komplexität schwerer Erkrankungen, ein geringes Gefühl der Selbstwirksamkeit, die Angst vor Stigmatisierung und fehlendes Vertrauen in das Gesundheitssystem. Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit spielten dabei keine Rolle. Die Studie legt nahe, dass Informationsvermeidung kein irrationales Verhalten ist, sondern stark vom gesellschaftlichen und strukturellen Umfeld beeinflusst wird.
Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für die Gesundheitspolitik. Sie zeigen, dass Maßnahmen zur Stärkung des Vertrauens in das Gesundheitssystem entscheidend sind, um die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit medizinischen Informationen zu fördern. Zudem könnten Ansätze, die kognitive Überforderung reduzieren und Ängste vor Stigmatisierung abbauen, die Teilnahme an Vorsorge- und Früherkennungsprogrammen erhöhen. Die Studie liefert damit wichtige Ansatzpunkte, um Gesundheitssysteme effektiver zu gestalten und die Gesundheitsversorgung weltweit zu verbessern.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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