Tübinger Studie: Nicht-Antibiotika schwächen Darmschutz und fördern Krankheitserreger

von | Juli 17, 2025 | Forschung, Gesundheit

Eine Studie der Universität Tübingen zeigt, dass viele Nicht-Antibiotika das Darmmikrobiom schädigen und so krankmachenden Bakterien wie Salmonellen das Ansiedeln erleichtern. Unter der Leitung von Professorin Lisa Maier vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin wurde die Wirkung von 53 gängigen Medikamenten, darunter Allergiemittel, Antidepressiva und Hormonpräparate, untersucht. Die im Fachblatt Nature veröffentlichten Ergebnisse offenbaren, dass etwa ein Drittel dieser Wirkstoffe das Wachstum von Salmonellen fördert, indem sie nützliche Darmbakterien hemmen und ein mikrobielles Ungleichgewicht verursachen.

Durch ihre Interaktionen bilden Mikroorganismen ein für die menschliche Gesundheit essentiel-les Ökosystem. Medikamente können dieses fragile Gleichgewicht empf | Quelle: Lisa Maier | Copyright: Maier Lab
Durch ihre Interaktionen bilden Mikroorganismen ein für die menschliche Gesundheit essentiel-les Ökosystem. Medikamente können dieses fragile Gleichgewicht empf | Quelle: Lisa Maier | Copyright: Maier Lab

Tests in synthetischen und echten menschlichen Darmgemeinschaften sowie an Mäusen zeigten, dass diese Medikamente die Biomasse der Darmflora verringern, die Artenvielfalt stören oder konkurrierende Bakterien eliminieren, die normalerweise Krankheitserreger in Schach halten. Dies führt den Autoren zufolge zu schwereren Verläufen von Infektionen wie Salmonellose, insbesondere bei geschwächten oder älteren Menschen.

Die Forschenden fordern, die Auswirkungen von Medikamenten auf das Mikrobiom systematisch zu prüfen, insbesondere bei Antihistaminika, Antipsychotika oder Östrogen-Rezeptormodulatoren. Dafür entwickelten sie ein Hochdurchsatzverfahren, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Studie betont die Notwendigkeit, Medikamente nicht nur pharmakologisch, sondern auch mikrobiologisch zu bewerten, um Therapien mit geringeren Nebenwirkungen zu entwickeln. Die Tübinger Mikrobiomforschung leistet damit einen wichtigen Beitrag für sicherere Arzneimittelentwicklungen.

Original Paper:

Non-antibiotics disrupt colonization resistance against enteropathogens | Nature

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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