Drogenkrise in Deutschland: Fachverbände fordern entschlossenes Handeln

von | Juli 8, 2025 | Forschung, Gesundheit, Nicht kategorisiert, Politik

Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in Deutschland bleibt mit 2.137 im Jahr 2024 alarmierend hoch, trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr. Dies gab der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck bei einem Besuch im Berliner Urban-Krankenhaus bekannt. Fachverbände präsentieren einen Maßnahmenplan mit fünf Interventionen, um die Todeszahlen drastisch zu senken, und fordern Bund, Länder und Kommunen zum sofortigen Handeln auf.

Die Situation verschärft sich durch den zunehmenden Mischkonsum und neue Substanzen. Heroin und andere Opioide verursachen weiterhin über die Hälfte der Todesfälle, doch hochpotente synthetische Opioide wie Fentanyl und Nitazene gewinnen an Bedeutung und waren 2024 an 342 Todesfällen beteiligt. Auch Crack und Kokain tragen mit etwa 700 Fällen erheblich zur Krise bei. Der Maßnahmenplan der Fachverbände zielt darauf ab, diese Gefahren gezielt zu bekämpfen.

Die USA stecken in einer Drogenkrise. Allein 2022 erreichte die Gesamtzahl der Drogentoten mit 107.941 Fällen einen historischen Höchststand. (Credits: MART PRODUCTION/pexels)
Die USA stecken in einer Drogenkrise. Allein 2022 erreichte die Gesamtzahl der Drogentoten mit 107.941 Fällen einen historischen Höchststand. Von solchen Zuständen ist Deutschland noch weit entfernt. (Credits: MART PRODUCTION/pexels)

Kommunale Frühwarnsysteme sollen Marktveränderungen wie den Zustrom synthetischer Opioide frühzeitig erkennen. Drugchecking ermöglicht die Analyse von Substanzen auf Reinheit und gefährliche Beimischungen, um Überdosierungen zu verhindern. Drogenkonsumräume bieten eine sichere Umgebung für den Konsum unter medizinischer Aufsicht, reduzieren Todesfälle und Infektionen wie HIV oder Hepatitis C und vermitteln in Hilfsangebote. Das Notfallmedikament Naloxon, das bei Opioidüberdosierungen Leben rettet, muss flächendeckend verfügbar werden, unterstützt durch Schulungen für Fachpersonal wie Drogenhilfe, Polizei und Streetworker. Die Substitutionstherapie mit Ersatzmitteln wie Methadon senkt die Mortalität und erleichtert den Ausstieg aus der Abhängigkeit, erreicht aber mit 81.000 Behandelten nur einen Bruchteil der Betroffenen.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist uneinheitlich. Bayern und sieben weitere Bundesländer haben keine Drogenkonsumräume, obwohl Schleswig-Holstein und Sachsen Fortschritte machen. Drugchecking ist auf Berlin und Mecklenburg-Vorpommern beschränkt, doch Hamburg und Nordrhein-Westfalen planen Rechtsverordnungen, um dies zu ändern. Die Fachverbände betonen, dass der Schutz vor Todesfällen und Infektionen nicht vom Wohnort abhängen darf. Drogenkonsumräume und Drugchecking entlasten zudem Notaufnahmen, da gut informierte Konsumenten und Substituierte seltener in lebensbedrohliche Situationen geraten und Notfälle vor Ort behandelt werden können.

Die Fachverbände kritisieren mangelnden politischen Willen und fordern eine flächendeckende, ausreichend finanzierte Umsetzung der Maßnahmen, um die Krise einzudämmen und unnötige Todesfälle zu verhindern.

Weitere Informationen:

Maßnahmenplan der Fachverbände akzept e.V., Deutsche Aidshilfe, Gesellschaft für Suchtmedizin, Fachverband Drogen- & Suchthilfe und dem JES Bundesverband

Kooperationsprojekt so-par zur Vorbereitung auf Fentanyl

Informationen zu Drogenkonsumräumen

Informationen zu Naloxon


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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