LEONORA-Studie startet: Synbiotika sollen Lebensqualität von Darmkrebspatienten verbessern helfen

von | März 3, 2025 | Forschung, Gesundheit

Eine neue Studie von Wissenschaftlern am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) und am Universitätsklinikum Köln soll klären, ob die Darmflora von Darmkrebspatienten durch die Gabe von sogenannten Synbiotika verbessern kann. Ziel der LEONORA genannten Studie ist es, letztlich die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.

Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 700.000 Euro.

Studien haben gezeigt, dass eine systematische Erfassung und Berücksichtigung der Lebensqualität zu besseren Behandlungsergebnissen führen kann. (Credits: Mikhail Nilov/pexels)

Der menschliche Körper besteht aus etwa 30 Billionen Zellen. Ungefähr genauso groß ist auch die Zahl der Bakterien und anderer Mikroorganismen, die unseren Körper bevölkern. Diese sind zwar um einiges kleiner als unsere Körperzellen, jedoch haben auch sie lebenswichtige Funktionen. Zum Beispiel halten sie Krankheitserreger fern, stellen Nährstoffe her und tragen zur Ausbildung des Immunsystems bei. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen wird als Mikrobiom bezeichnet. Ein Großteil des Mikrobioms lebt im Darmtrakt und bildet dort die sogenannte Darmflora.

Für eine normale Verdauung ist eine gesunde Darmflora essenziell – und dementsprechend ein Gleichgewicht vieler unterschiedlicher Mikroorganismen. Die Darmkrebstherapie beeinträchtigt dieses Gleichgewicht. Nach der chirurgischen Entfernung des Tumors erhalten die meisten Patienten Antibiotika, um Entzündungen vorzubeugen. Diese Medikamente töten aber nicht nur schädliche Bakterien ab, sondern auch Teile der Darmflora. Im Anschluss an eine Operation wird oft eine Chemotherapie eingesetzt, um im Körper verbliebene Krebszellen abzutöten. Auch sie verändert die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm. In der Folge leiden viele Darmkrebspatienten an Verdauungsproblemen wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen, die oft auch mit Schmerzen einhergehen – während und teilweise auch noch viele Jahre nach der Therapie. Zudem ist eine gesunde Darmflora wichtig für das Immunsystem, sodass es vermehrt zu Infektionen kommen kann. Insbesondere Wundinfektionen nach der Darmkrebsoperation können die Patienten stark belasten.

Synbiotika bestehen aus einer Mischung von lebenden Mikroorganismen und Stoffen, von denen diese sich ernähren. „Wir verabreichen der Hälfte der Studienteilnehmer im Anschluss an ihre Darmkrebsoperation über zwölf Wochen täglich eine Kapsel mit zwölf Bakterienstämmen und ein Pulver zur Ernährung der Bakterien, das in einem Glas Wasser aufgelöst getrunken wird. Die andere Hälfte bekommt ein Scheinpräparat ohne Bakterien. Der Vergleich beider Gruppen wird uns zeigen, wie stark sich die Lebensqualität durch eine Stärkung der Darmflora verbessern lässt“, erläutert PD Dr. Lena Biehl vom Universitätsklinikum Köln. Neben einer verbesserten Lebensqualität und einer geringeren Infektanfälligkeit der Darmkrebspatienten könnte die Studie auch Ergebnisse zu einer effektiveren Behandlung liefern: „Es gibt Hinweise darauf, dass einige Mikroorganismen krebshemmend wirken und das Ansprechen auf bestimmte Krebstherapien verbessern können“, ergänzt Professor Dr. Ben Schöttker vom DKFZ, der zusammen mit Biehl das Projekt leitet.

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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