3R: Neuer Bluttest reduziert Tierbelastung in der Krebsforschung
Ein Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg hat eine Methode entwickelt, mit der Tumorwachstum in Mausmodellen schonend und präzise überwacht werden kann. Der Clou: Statt belastender bildgebender Verfahren messen die Wissenschaftler sekretierten Luciferasen – leuchtfähige Enzyme – direkt im Blut der Tiere. Die Konzentration dieser Enzyme spiegelt die Tumorlast wider und ermöglicht eine kontinuierliche Verfolgung über Wochen oder Monate.
Die Methode folgt konsequent dem 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine): Sie verringert Stress und Narkosen (Refine), reduziert die benötigte Tieranzahl (Reduce) und lässt sich mit Zellkulturen kombinieren (Replace). Tumorzellen werden mit unterschiedlichen Luciferasen markiert, sodass mehrere Tumorarten in einem Tier vergleichend untersucht werden können – auch in inneren Organen wie Lunge oder Bauchspeicheldrüse.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Thorsten Stiewe (Institut für Molekulare Onkologie) hat das Verfahren über mehr als zehn Jahre optimiert. Eine detaillierte Anleitung erschien nun in Nature Protocols (DOI: 10.1038/s41596-025-01315-9). Erstautorinnen sind Dr. Nastasja Merle und Imke Bullwinkel.
„Die hier vorgestellte Methode zeigt eindrucksvoll, dass exzellente Forschung und hohe ethische Standards kein Widerspruch sind“, sagt der Forschungsvizepräsident der Universität Marburg, Prof. Dr. Gert Bange. „Indem Belastungen für die Tiere reduziert und gleichzeitig aussagekräftige Daten gewonnen werden, setzt diese Arbeit wichtige Impulse für eine verantwortungsvolle biomedizinische Forschung.“
Die Methode soll breit angewendet werden, um präklinische Studien vergleichbarer und tierfreundlicher zu machen – ein Schritt hin zu effizienterer Entwicklung neuer Krebsmedikamente.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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